Marc Taschowsky
WI(E)DER — SINN
»Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt wissen
in der wir leben, wissen wir durch die Massenmedien«
Niklas Luhmann befindet sich mit seinen philosophischen Abhandlungen in Mitten eines ausgewählten, wissenschaftlichen Personenkreises, der diskursiv die Macht der Massenmedien erörterte. Über eine Außernandersetzung versuchte man Erkenntnisse über die tiefgreifenden Veränderungen unserer Gesellschaft zu erlangen.Stehen wir aber nicht gerade heute, jeder einzelne von uns, ebenso in der Verpflichtung, die Macht der Medien und die Ohnmacht des Menschen zu hinterfragen?
Auf künstlerischer Ebene wurde diese Frage in den letzten Jahren immer häufiger thematisiert und mit unterschiedlichst in den Medien bearbeitet.
MARC TASCHOWSKY stellt sich dieser Kardinalsfrage auf seine ganz eigene Art und Weise:
Als Maler kreiert er in erster Linie gemalte Bilder - Gemälde, doch sind diese keine Trugbilder. Als Maler bedient er sich natürlich eines Mediums, doch ist dies kein Massenmedium. Und als Maler, werden auch seine Gemälde Teil unserer Kulur aber nicht der Massenkultur, wenngleich er sich dieser bedient — oder gerade deshalb, weil er sich dieser bedient. Dieser Annahme liegt eine Vermutung zugrunde, die bereits T. W. Adorno und M. Horkheimer in den 70-iger Jahren dem Begriff der »Kulturindustrie« kennzeichneten. Sie gingen davon aus, dass die standardisierten Produktionsweisen der Industrie auch auf den kulturellen Sektor einwirken, insbesondere über die Massenmedien, deren Angebote neue Bedürfnisse erzeugen. Diese allerdings können und sollen nicht befriedigt werden.
Die Vorgehensweise der Massenmedien, wie R.Barthes sie darstellte, ist dabei immer die Gleiche:
Eine Aussage, die sich aus der Historie begründet, wird ihrer Geschichtlichkeit und ihres Sinns beraubt, und sie derart verändert, dass sie uns Konsumenten natürlich unhinterfragbar erscheint. Wird dieser »Sinn« dennoch hinterfragt, bleibt nichts weiter, als eine »natürliche«, leere Hülle zurück, die mit den Intentionen des Verkaufs, der Kundenbindung, Manipulation... gefüllt worden ist.
In seinem Atelier liegen auf dem Boden verstreut, die Exponente dieser Zunft — zerschnitten, ausgenommen und gerupft. Ihr Hochglanz ist verschwunden. Ihre Innereien herausgetrennt. Was bleibt sind ihre bedeutungslosen Hülsen.
In der Betrachtung seiner Gemälde finden wir all jene sezierten Bedeutungsträger wieder. Eine Transplantation und Transfiguration mit verkehrten Vorzeichen hat sich auf der Ebene der Malerei vollzogen.
Ein Gemälde ist entstanden und damit ein malerisches Gefüge geschaffen. Eine Setzung von Farben, Formen und Fläche:
Ein Gemälde ist entstanden und damit ein malerisches Gefüge geschaffen. Eine Setzung von Farben, Formen und Flächen. Eine Neukonfiguration der aIlzu bekannten massenmedialen Zeichen.
Durch dieses zweite modebildende System KUNST, wird für uns plötzlich das eigentliche Wesen des modellbildend Systems MASSENMEDIEN erkennbar. Maske, Absurdität, Illusion, Leere -.- in Serie.
Die Gemälde zeigen die Maske ohne selbst Maske zu sein. Sie verdeutlichen die Absurdität, ohne selbst absurd zu sein. verweisen auf die Illusion, ohne selbst illusionistisch zu sein. Sie konkretisieren das LEERE, ohne öde zu sein. Sie sind seriell - Reihen, Bilderreihen - doch zeigen Sie nicht das IMMERGLEICHE, sondern das ANDERE, den Regelverstoß , die Abweichung - die DIFFERENZ.
Die Maske stellt sich mir in den Massenmedien als Innbegriff der Archetypisierung dar. Dem Verlangen danach ein dauerndes Urbild zu schaffen, in dem sich möglichst viele wiederkennen wollen und sollen. Dieses Begehren steht vollkommen diametral zu meiner Vorstellung von Individualität.
Absurdität ist für mich durch Widersinn gekennzeichnet. Wider dem Sinn ist die Motivation der Massenmedien geg den ursprünglichen. historischen Sinn einer Aussage zu operieren, um einen eigenen rein unternehmerischen Sinn etablieren.
Ein Fisch oder ein Seepferd im Vordergrund seiner Gemälde drücken für mich auf subtile Art und Weise ABSURDITÄT aus. Er unterlässt es nicht, auf die Untrennbarkeit von Bild und Schrift in den Massenmedien zu verweisen und damit anzudeuten, dass die jeweiligen Bedeutungen ganz allein von demjenigen abhängen, der diese Zeichen zusammenfügt — so wie er diese malerisch setzt.
Dem Determinismus, der den Massenmedien immanent ist und der sich plötzlich in unserem Bewusstsein ausbreitet, setzt er die Leerstelle entgegen. Weiße Flächen mit diffusem Umriss, als wolle er uns sagen, dass es zwischen Kunst und Medien, zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen dem Objekt und dem Subjekt etwas gibt — etwas unbestimmbar Unbestimmtes.
»Doch darin zeigt sich das, was wir suchen müssen: eine Aussöhnung des Wirklichen und der Menschen, dc Beschreibung und der Erklärung, des Objekts und des Wissens.« Roland Barthes, »Mythen des Alltags»
Marcus Körl
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Biografie:
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in Frankfurt geboren
in Frankfurt aufgewachsen
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Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Prof. Hermann Albert
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Arbeitsstipendium des Hofbrauhaus Wolters, Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg und Künstlerhaus Meinersen e.V. im Künstlerhaus Meinersen
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Seit Feb 2002 lebt und arbeitet er in Berlin
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Ausstellungen:
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Models, Mythen und Mysterien, Einzelausstellung
Galerie Konvention, Berlin
Episoden. Das kleine Format in der Malerei heute Gruppenausstellung
Galerie Konvention, Berlin
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Plagiate Piktogramme Portraits, Einzelausstellung
Galerie Konvention, Berlin
Das kleine Format, Gruppenausstellung Schloss Gifhorn
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Make-up, Einzelausstellung Galerie Neues Frankfurter Tor, Berlin
Realität, Gruppenausstellung Kunstmuseum Hollfeld
Landschaft und Figur, Gemeinschaftsausstellung mit Susanne Maurer
Marketing Management Institut, Braunschweig
Vorbilder-Nachbilder, sechzehn Maler aus Berlin, Der Blaue Salon, Berlin
Hauptsächlich Frauen, Künstlerhaus Meinersen
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History, Galerie scetch - act, Berlin
Gemeinschaftsausstellung mit Susanne Maurer im nh Hotel in Frankfurt
in Zusammenarbeit mit der Galerie Barbera von Stechow /Frankfurt
Art fair Köln vertreten durch Galerie Barbera von Stechow
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Juxtapositions Franco- Allemandes, Deutsche Botschaft Paris, Einzelausstellung
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zu den Bildern
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